Unser Gehirn – Ein Mysterium und eine Wissenschaft für sich!

Das menschliche Gehirn ist wohl das mitunter spannendste also auch das schwierigste Organ, welches wir in uns tragen. Es steuert unsere Bewegungsabläufe, Persönlichkeit, steuert und verarbeitet Informationen und vieles mehr. Für die Forschung und Wissenschaft noch ein ungelüftetes Geheimnis, was noch vielerlei Jahre an Studien bedarf um es zu verstehen.

Erinnern und Vergessen – Wie funktioniert es und warum können wir nur mutmaßen?

Noch immer sind sich Wissenschaftler im Unklaren, was genau in unserem Gehirn vorgeht, wenn wir uns Informationen in unserem Gedächtnis abspeichern wollen. Noch vor einigen Jahrzehnten vermutete die Wissenschaft, dass unsere Gedächtnisfunktion einem Computerspeicher gleicht. Jede neu ankommende Information wird lückenlos aufgezeichnet und abgespeichert. Doch dem ist nicht so. In der heutigen Wissenschaft geht man eher davon aus, dass unser Gedächtnis eher einem Puzzlespiel gleichkommt, denn erinnern wir uns etwa an ein Geschehnis, so sehen wir zwar das ganze Bild im Groben, doch über die Details sind wir uns unschlüssig und wir fangen an die fehlenden Informationen durch Raten zu ersetzen.

Nehmen wir als Beispiel das Bild einer Begegnung am Morgen. Auf dem Weg zur Arbeit halten wir an einer Ampel und wir sehen einen schicken neuen Laden auf der Straßenkreuzung. Am Nachmittag versuchen diese Erinnerung wieder aufzurufen. Zwar gelingt uns dies im groben und innerlich gehen wir der Annahme, dass wir das Bild im Ganzen so vor Augen haben, doch vergleicht man nun die Erinnerung mit einem tatsächlichen Bild des Ladens am besagtem Morgen, so sind die Details eher schwammig und können komplett anders auftreten in unserem Gedächtnis. Forscher gehen davon aus, dass mit dieser bildhaften Erinnerung, die groben und wichtigen Informationen in unserem Gehirn abgelegt werden, welche für ein späteres Aufrufen benötigt werden.

Auch wenn wir meinen uns immer an alles korrekt erinnern zu können, fehlen uns oftmals kleine Details und Informationen im Gesamtbild. Ein richtiges Erinnern und wiedergeben von Informationen fällt uns leichter, wenn wir diese mit Gefühlen verknüpfen. Dadurch werden sie in unserem Gehirn als besonders wichtig abgespeichert und abrufbar gemacht.

Ein ganz wichtiger Punkt für die Festigung von Erinnerungen in unserem Gedächtnis, sind Gefühle. Erlebnisse die mit starken Emotionen verbunden sind, lassen sich immer und immer wieder, sogar bis ins sehr hohe Alter, von uns problem- und lückenlos Abrufen. Die positiven Ereignisse werden gespeichert und die negative geraten in Vergessenheit. So kann selbst die Erinnerung an den Hochzeitsabend verzerrt dargestellt werden, weil wir uns lediglich an die tollen Momente Erinnern (positive Emotionen) und die schlechten, wie z.B. die schmerzenden Füße nach dem langen Tanzabend (schlechte bzw. keine Emotionen, welche die Erinnerung festigen) werden vergessen. Forscher behaupten, dieser Prozess des aktiven Vergessens hilft es unserem Gehirn zu funktionieren. Doch was genau passiert eigentlich, wenn wir Dinge vergessen?

Wie viele weitere Vorgänge innerhalb unseres Gehirns, ist das Prozess des Vergessens bis lang noch unerforscht. Wissenschaftler hegen seit je her zwei Vermutungen:

Theorie Nummer 1 besagt, dass Erinnerungen schlichtweg mit der Zeit immer mehr verblassen, bis sie letztlich komplett erlöschen. Folgen wir der Theorie, so müssten wir viel mehr Dinge im Laufe der Zeit vergessen und selbst ältere Erinnerungen sollten irgendwann vergessen sein.

Theorie Nummer 2 besagt, dass alter Eindrücke von neuen überlagert werden und somit wird das Abrufen derer gestört und schwieriger für uns.

Für beide Theorien gibt es bis dato noch keine wissenschaftlichen Erkenntnisse, dennoch kann man behaupten, dass die zweite Theorie zumindest plausibler ist.

 

Die Verarbeitung von Informationen – Was genau passiert eigentlich mit erhaltenen Informationen?

Wenn es zu unserem ‚Informationsspeicher’, dem Gehirn, kommt, differieren wir zwischen drei zentralen Speicherorten für unser Wissen:

Das Kurzzeitgedächtnis

Das Langzeitgedächtnis

Das sensorische Gedächtnis

Diese drei zentralen Speicherplätze werden ihren Aufgaben nach eingeteilt und jedes arbeitet für sich unterschiedlich!

 

Das Kurzzeitgedächtnis:

Das Kurzzeitgedächtnis dient uns förmlich als Eingangshalle und Knotenpunkt für neue Informationen. So werden neue Informationen im ersten Schritt hier zwischengelagert, verarbeitet und entweder in das Langzeitgedächtnis übernommen oder nach Gebrauch gleich wieder vergessen. Grundsätzlich unterscheidet man in etwas zwei Eigenschaften des Kurzzeitgedächtnisses:

Die Dauer des Kurzzeitgedächtnisses: In der Regel bzw. im Durchschnitt werden Informationen bis zu 30 Sekunden lang im Kurzzeitgedächtnis abgespeichert. Die Dauer kann, wie alle anderen kognitiven Fähigkeiten auch, trainiert und gesteigert werden.

Die Fähigkeiten des Kurzzeitgedächtnisses: Die Fähigkeiten oder auch die Menge an Informationen, welche wir mit einmal aufnehmen und behalten können, wird in der Wissenschaft in Elementen gemessen. Pro Informationsaufnahme können wir im Durchschnitt etwa 5 – 9 Elemente im Kurzzeitgedächtnis zwischenlagern. Ebenso wie die Dauer und die Fähigkeit zur Informationsaufnahme trainiert werden.

 

Das Langzeitgedächtnis:

Im Langzeitgedächtnis werden, wie der Name schon sagt, Informationen für lange Zeit gespeichert und abrufbar gemacht. Dabei ist, nach holografischem Ansatz, die Information nicht zentral an einer Stelle im Hirn abgelegt, sondern in den verschiedensten Nervenzellen, welche untereinander stark vernetzt sind.

So ist es uns möglich, selbst wenn bestimmte Bereiche und Teile unseres Gehirns ausfallen, wir immer noch Erinnerungen und Informationen zu rekonstruieren.

Alle Informationen, welche im Langzeitgedächtnis abgespeichert werden, sind von uns als äußerst wichtig deklariert. Mit diesem Wissen über die Datenspeicherung in unserem Gehirn, kann man Informationsspeicherung gezielt trainieren. So müssen wir unserem Gehirn jene Informationen lediglich ‚schmackhaft’ und bemerkenswert verkaufen, damit sie langfristig gespeichert werden. -Der Trick für ein erfolgreiches Lernen: Dem gelernten eine Wichtigkeit oder grundlegende Bedeutung zuordnen, womit wir z.B. die Vokabeln assoziieren können-

Zusätzlich wir noch unterschieden in der Verfügbarkeit und Abrufbarkeit der Informationen. Zum einen gibt es die bewusst verfügbaren Informationen und zum anderen die unbewussten.

Den bewussten verfügbaren Informationen ordnet man jene aus dem episodischen Gedächtnis zu. Selbst Teile des semantischen Gedächtnisses stehen und jederzeit abrufbar zur Verfügung. Im episodischen Gedächtnis werden Erinnerungen, wie z.B. die Hochzeit, der erste Kuss, das letzte Mittagessen etc. abgelegt. Alle Informationen, welche zu unserer täglichen Lebensgeschichte gehören. Dahingehen wird im semantischen Gedächtnis konkretes Fachwissen abgespeichert. Formeln aus der Mathematik oder Physik, Ländernamen unseren Hauptstädte etc.. Kognitive Abläufe wie z.B. das Fahrradfahren oder Laufen, werden im prozeduralen Gedächtnis abgelegt. Mit Hilfe dessen werden Muskelbewegungen immer wieder hervorgerufen und automatisch von unserem Gehirn abgespielt.

 

Das sensorische Gedächtnis:

Grundsätzlich kann man sagen, dass von der Reihenfolge, dass sensorische Gedächtnis noch vor dem Kurzzeitgedächtnis kommt, denn dieses sorgt für eine blitzschnelle Speicherung, in nur Bruchteile einer Sekunde, um eintreffende Reize zu verarbeiten und Informationen an das Kurzzeitgedächtnis weiterzuleiten.

 

Die Vernetzung von Nervenzellen

Informationen werden in unserem Gehirn mittels Langzeitgedächtnis an verschiedenen Orten abgespeichert und mit einander verknüpft.

Wie bereits beschrieben besteht unser Gehirn aus vielen Milliarden Nervenzellen, welche auch Neuronen genannt werden, welche mit einander vernetzt sind. So werden z.B. durch die Vernetzung Informationen langzeitlich gespeichert, jedoch auch mit einander Verknüpft. Denken wir z.B. an eine Katze oder einen Hund, so wissen wir automatisch, welche Eigenschaften ihnen zuzuordnen sind, dass es sich dabei um Tiere handelt und so weiter. Lernen wir jetzt etwas Neues, werden neue Vernetzungen zwischen den Nervenzellen gebildet und das Neuronennetz wird zusammengeschweißt. Je häufiger wir das Erlebnis oder das Gelernte wiederholen, umso stärker wird die Vernetzung und die Information speichert sich.

 

Der Sitz unserer Persönlichkeit: Das Gehirn

Bereits im Jahre 2001 hat ein Forscherteam bestehend aus Neurologen der University of California in San Francisco herausfinden können, dass alles das, was uns als eigenständigen und einzigartigen Menschen ausmacht, in der vorderen rechten Gehirnhälfte angesiedelt ist. Musikalische Vorliegen, politische Orientierungen, die Abneigung gegen fettiges Essen, alles das, soll laut Bruce Miller an einem Ort des Gehirnes sitzen.

In seiner Studie untersuchte er 70 Personen, welche an einem seltenen Hirndefekt, der so genannten frontotemopralen Demenz, leiden. Die oft vererbbare und genetisch bedingte Krankheit tritt in der Regel ab dem 50. Lebensjahr auf und breitet sich primär in dem Bereich unseres Hirns aus, welcher für die Persönlichkeit zuständig ist.

So ließen sich im Laufe der Studie bemerkenswerte, jedoch erschreckende Persönlichkeitsveränderungen der Studienteilnehmer beobachten.

Fallbeispiel Nr. 1: So wurde nach Eintreten der Krankheit aus einem doch eher prüden Mann, mit einer puritanischen Einstellung gegenüber dem Geschlechtsverkehr, ein doch eher experimentierfreudiger Mann mit der Vorliebe für Erotisches.

Fallbeispiel Nr. 2: Ein doch businessorientiere Frau, welche fest im Leben stand, gutes Essen bevorzugte, wandelte sich um 180 Grad nach dem die Erkrankung eintrat. Sie legte keinen Wert mehr auf gute Kleidung und ernährte sich hauptsächlich nur noch von Fast-Food.

Das Studienergebnis lässt darauf schließen, dass ein intakter rechter Stirnlappen für einen intakte Persönlichkeit ausschlaggebend ist.

Beim Untersuchen der Testpersonen, welche eine Bewusstseinsveränderung durchlebt haben, konnte festgestellt werden, dass bei den betroffenen Personen, immer eine Beschädigung der rechten Stirnlappens im Gehirn vorlag. Somit kam Miller Annahme nach, dass der ein „funktionierender rechter Stirnlappen notwendig ist, um das eigene Selbstbild zu erhalten.“

 

Weitere Erkrankungen unseres Gehirns und was wir dagegen tun können!

Kein ein anderes Organ ist so komplex und unerforscht wie unser Gehirn. In diesem werden alle Informationen, die wir besitzen, Charakterzüge und Emotionen gespeichert. Unser Gehirn macht uns im Grunde genommen zu dem Menschen, der wir sind. Schlimmer ist also, wenn etwas in dem Denkkasten nicht stimmt.

Erkrankungen wie Alzheimer und Demenz lösen unsere Nervenzellen und deren Verknüpfung nach und nach auf und richten somit erheblichen Schaden in unserem Gehirn an.

Viele der heutigen Hirnerkrankungen sind wir machtlos ausgeliefert und oft können wir nur die Symptome bekämpfen. Neurodegenerative Erkrankungen wie Parkinson und Alzheimer, welche unseren kompletten Charakter und die motorischen Fähigkeiten lahmlegen oder selbst psychiatrische Probleme wie Sucht, Depression oder Schizophrenie spielen sich in unserem Gehirn ab. Zu unserem Leidwesen ist es Forschen bislang noch nicht gelungen ein Heilmittel für Hirnerkrankungen zu entdecken. Was also tun um uns dagegen zu schützen?

Es ist immer hilfreich, unser Gehirn fit zu halten. Mit den einfachsten Übungen und Techniken ist es uns dennoch Möglich, unser Lang- und Kurzzeitgedächtnis gezielt zu trainieren und die Denkleistung zu erhöhen. Ob dadurch aktiv eine Demenzerkrankung ausgeschlossen werden kann ist bislang noch unerforscht.

Dennoch gibt es bereits Studien, welche eine aktive Behandlung von Alzheimer mit Nahrungsergänzungsmitteln darlegen.

Ebenso ist ein Verzicht auf diverse künstliche Stoffe ein guter präventiv Punkt um Alzheimer vorzubeugen!

Fazit

Das Gehirn ist wohl eines der wichtigsten Organe in unserem Körper. Es formt unseren Charakter und steuert kognitive Fähigkeiten, ebenso werden all unsere Informationen und Erinnerungen darin abgespeichert. Wir sollten alles Erdenkliche tun, damit wir uns selbst davor schützen können einen anhaltenden Schaden unseres Denkzentrums davon zu tragen. Bereits kleine Denkaufgaben oder das Lesen von Büchern helfen unserem Gehirn neue Verbindungen herzustellen und sich somit fit zu halten.

 

 

 

 

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