Von wegen Kinderkram: Warum über 40-Jährige jeden Tag 45 Minuten Videospielen sollen

alzheimer

Videospiele verändern unser Gehirn. Besonders in den deutschen Medien haben Computer- und Videospiele einen schlechten Ruf, denkt man doch sofort an die „Killerspieldebatte“ die nach jedem Amoklauf an amerikanischen oder deutschen Schulen aufflammt.

 

Doch Videospiele haben nicht nur einen schlechten Einfluss auf unser Gehirn. Wägt man die Vor-und Nachteile ab, kommt man zu dem Entschluss, dass besonders ältere Menschen häufiger Videospiele spielen sollten. Denn Videospiele verbessern nicht nur unsere motorischen Fähigkeiten, sondern können auch das Gedächtnis verbessern und Krankheiten wie Alzheimer oder Demenz hinauszögern.

 

Schon 30 Minuten pro Tag Videospiele spielen können unser Gehirn verändern

Vor wenigen Wochen wurde eine Hauptstudie veröffentlicht, die die Ergebnisse von 116 weltweit durchgeführten Studien zu Videospielen zusammenfasst (Link zur Studie).

Das Ergebnis der Studie: Videospiele verändern nicht nur das Verhalten eines Menschen sondern auch das physische Gehirn.

Fast alle Studien konnten nachweisen, dass Videospiele:

  • die Aufmerksamkeitsspanne erhöhen können
  • die Effizienz wie wir gestellte Aufgaben lösen können verbessern
  • uns helfen können Stress besser zu bewältigen

Ausserdem wurde beobachtet, dass die Größe und Vernetzung der Hirnbereiche die für visuell-räumliche Fähigkeiten verstärkt werden. Ausserdem wurde der sogenannte Hippocampus, der Hirnbereich in dem Informationen verschiedener Sensorischen Systeme zusammenfliessen, vergrößert ist.

Lange Zeit ging man davon aus, dass Spiele nur unsere Verhaltensweisen ändern können, nicht aber die wirkliche Hirnstruktur. Diese neuen Erkenntnisse sind besonders für die Altersforschung interessant.

 

Kann man ein „altes“ Gehirn mithilfe von Videospielen wieder verjüngen?

Videospiele dienen dem Gehirn als Übung. Je komplexer die Spiele, desto größer der Effekt.

Videospiele dienen dem Gehirn als Übung. Je komplexer die Spiele, desto größer der Effekt.

Forscher der University of San Francisco konnten nachweisen, dass Gehirne, die bereits Teile ihrer Leistungskraft eingebüßt hatten, mithilfe von Videospielen wieder ihre Leistung verbessern konnten.

Die Studie wurde mit 60- bis 85-Jährigen durchgeführt die über einen Zeitraum von einem Monat 12 Stunden (also durchschnittlich 40 Minuten pro Tag) 3-D-Videospiele gespielt haben.

Nach dem Monat wurde beobachtet, dass die Seniorengruppe bei dem Spiel eine bessere Leistung erzielte als eine Testgruppe die in ihren Zwanzigern war. Zusätzlich wurde beobachtet, dass die kognitiven Bereiche des verwendeten Gedächtnis sowie der Aufmerksamkeit stark erhöht waren. Diese Vorteile bestanden bis zu 6 Monate nach Beendigung des Spielens.

„Diese Ergebnisse sind ein beeindruckender Beweis wie flexibel das Gehirn auch im Alter ist“, sagt Dr. Adam Gazzaley, Professor für Neurologie.

 

Moderne 3-D-Spiele regen das Gehirn mehr an als 2-D-Spiele

Unser Gehirn ist selbst im Alter noch dazu in der Lage Schäden wieder rückgängig zu machen. Komplexe Videospiele sind dabei hilfreich.

Unser Gehirn ist selbst im Alter noch dazu in der Lage Schäden wieder rückgängig zu machen. Komplexe Videospiele sind dabei hilfreich.

In einer weiteren Studie wurde erkannt, dass Senioren die moderne 3-D-Spiele spielten einen Vorteil denen gegenüber hatten die simplere 2-D-Spiele gespielt haben. Der Unterschied lag hierbei bei 12% bei der Steigerung von der gemessenen Gedächtnisleistung. Besonders Interessant: zwischen 45 und 70 Jahren lässt die Gedächtnisleistung um ungefähr 12% nach. Die Probanden der Studie konnten also den Alterungsprozess des Gehirns um knapp 25 Jahre rückgängig machen.

Die Erklärung warum 3-D-Spiele einen größeren Einfluss haben ist einleuchtend: bei diesen Spielen muss das Auge und das Gehirn viel mehr Informationen verarbeiten als bei simplen 2-D-Spielen.

 

Besonders komplexe Strategiespiele konnten erste große Erfolge bei der Verhinderung von Demenz und Alzheimer verzeichnen

„Wenn man die kognitive Gehirnleistung, das Transferdenken und den Bereich des Gehirns in denen Entscheidungen getroffen werden, verbessern möchte und dabei Demenz und Alzheimer verhindern möchte, dann eignen sich besonders Strategiespiele dazu.“, laut Professor Basak von der University of Texas.

Bisher wurde der Einfluss von Videospielen auf das Gehirn nicht verstärkt erforscht. Mit den aber immer neueren Studienergebnissen wird sich das nun aber ändern. Mehrere Forscherteams führen derzeit Langzeitstudien durch mit dem Ziel die beste Kombination zur Verhinderung von Gedächtnisverlust zu finden.

 

„Videospiele sind Kinderkram!“

Dieses Denken hält sich noch hartnäckig in den Köpfen der Menschen die nicht von Kindesbeinen an mit Computertechnologie aufgewachsen sind. Der normale Spieler von Heute ist 35 Jahre alt und spielt mindestens 3 Stunden pro Woche. Frauen spielen übrigens genauso gern wie Männer. Man kann also bestimmt sagen, dass Videospiele längst nicht etwas für Kinder oder Heranwachsende sind. Im Jahr 2016 wurden weltweit geschätzt über 23 Milliarden Videospiele verkauft – Tendenz steigend.

 

Quellen:

Studie 1Studie 2Studie 3Studie 4 – Studie 5

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