Wie Work-Life-Blending dein Leben verbessert!

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Bereits seit mehreren Jahren verzeichnet die Gesundheitsbranche in Deutschland ein ungeahntes Wachstum. Immer mehr Menschen besinnen sich auf ihren Körper und scheuen weder Kosten noch Mühen, um ihre Gesundheit zu stärken. 2003 beliefen sich die durchschnittlichen Gesundheitsausgaben der Deutschen im Jahr noch auf 2.900 Euro. Heute sind diese im Schnitt auf 4.000 Euro pro Einwohner gestiegen.

Dabei ist den meisten Menschen sowohl die körperliche Fitness auch ihre geistige Gesundheit sehr wichtig. Neben regelmäßigem Sport achteten viele Bundesbürger daher in den vergangenen Jahren vermehrt auf eine gesunde Ernährung sowie eine bessere Balance zwischen ihrem Arbeits- und Privatleben. Neueste medizinische Untersuchungen ergaben jedoch, dass eine gute Work-Life-Balance längst nicht ausreicht, um schweren Erkrankungen wie dem Burnout-Syndrom vorzubeugen. Tatsächlich ist die strikte Trennung beider Lebensbereiche sogar mit gesundheitlichen Gefahren verbunden. Deshalb hat sich langsam ein Trend um das sogenannte Work-Life-Blending gebildet.

 

Work-Life-Balance ist längst nicht mehr zeitgemäß

Die Work-Life-Balance hat sich innerhalb weniger Monate zu einem der größten Trends der Arbeitswelt entwickelt. Im Zentrum dieses Konzepts steht eine klare Trennung des Lebens vom Beruf. Auf diese Weise soll verhindert werden, dass Betroffene auch in Ihrer Freizeit geschäftlichen Aufgaben nachgehen und sich somit zunehmend überarbeiten. Viele Initiativen der Anhänger dieses Trends forderten die Abschaffung von Überstunden sowie eine Verringerung der Arbeitszeit. Die Grundlage dieser Überlegungen war die Annahme, dass Arbeitnehmer während ihrer Arbeitszeit nur geschäftlichen Dingen nachgehen. Tatsächlich ist diese Situation in der Praxis nicht nur selten anzutreffen, sondern schädigt neuesten Erkenntnissen nach sogar die Gesundheit.

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Aus einer Studie der GFU geht hervor, dass 42 Prozent aller Deutschen auch nach dem Feierabend sowie am Wochenende berufliche Nachrichten empfangen und lesen. Einige von ihnen beantworten diese sogar oder erledigen andere geschäftliche Aufgaben. Gleichzeitig gaben 52 Prozent aller deutschen Arbeitnehmer an, dass sie sich in ihrer Arbeitszeit häufig in sozialen Netzwerken bewegen und private E-Mails beantworten. Das Konzept der Work-Live-Balance stellt zudem Arbeitnehmer vor eine schwierige Herausforderung. Es zwingt sie nicht nur, während ihrer Arbeitszeit stets aufmerksam und konzentriert zu bleiben, sondern ebenfalls sämtliche privaten Angelegenheiten zu ignorieren. In der Praxis ist diese Vorgehensweise meist nicht zu bewerkstelligen.

 

Neuer Trend respektiert das Privatleben der Arbeitnehmer

Häufig führen geschäftliche Gespräche mit Kollegen zu privaten Themen. Nur den wenigsten Menschen gelingt es, persönliche Probleme während der Arbeitszeit vollständig auszublenden. Spätestens wenn der Arbeitsplatz aufgrund eines dringenden familiären Notfalls spontan verlassen werden muss, kommt es zur Vermischung beider Lebensbereiche. Die strikte Trennung von Berufs- und Privatleben nimmt Arbeitnehmern nicht nur ihre Flexibilität, sondern auch die Souveränität über die eigene Arbeitszeit.

Nach dem Konzept des Work-Life-Blending können Sie jedoch selbst über die Gestaltung Ihrer Arbeitszeit bestimmen. Es berücksichtigt, dass Sie sich sowohl in Ihrer Frei- als auch in Ihrer Arbeitszeit mit beruflichen und privaten Dingen beschäftigen. Erleidet Ihr Kind daher in der Schule einen Sportunfall, müssen Sie Ihre restliche Arbeitszeit nicht unkonzentriert oder untätig absitzen, sondern können sofort zu Ihrem Kind eilen. Smartphones und Tablets erlauben Ihnen dabei, für Kunden und Kollegen erreichbar zu bleiben. Somit müssen Sie kein schlechtes Gewissen haben, wenn Sie während Ihrer Arbeitszeit private Dinge erledigen.

 

Work-Life-Blending steigert die Arbeitsleistung

Durch den fließenden Übergang zwischen Freizeit und Beruf fühlen sich Mitarbeiter in ihrem Unternehmen ernstgenommen und respektiert. Dadurch kommt es zu einer deutlichen Steigerung der Produktivität. Viele Unternehmer haben bereits verstanden, dass sich insbesondere Wissensarbeit nicht in einen festen zeitlichen Rahmen pressen lässt. Auch Fachkräfte kommen meist nicht auf einen bahnbrechenden Einfall, wenn sie ihre Arbeitszeit im Büro absitzen. Häufig entstehen die besten Ideen während eines Spaziergangs im Park oder direkt vor dem Einschlafen.

Praktiziertes Work-Life-Blending führt zu deutlich besserem Teambildung. Oftmals werden aus Kollegen gute Freunde, mit denen Arbeitnehmer ein gemeinsames Ziel verfolgen. Diese Arbeitsphilosophie sorgt für eine höhere berufliche Selbstbestimmung und lässt Mitarbeiter auch eine Familie besser mit dem Beruf vereinbaren. Selbst die Familiengründung steht somit der Karriere nicht länger im Weg. Darüber hinaus ermöglicht das Work-Life-Blending die gezielte Nutzung von besonders produktiven Phasen und vermeidet das tatenlose Absitzen von Arbeitsstunden. Schließlich steigt die Motivation der Mitarbeiter enorm, wenn diese für private Angelegenheiten keinen Urlaubstag opfern müssen.

 

Besseres Work-Life-Blending schützt vor Burnout-Syndrom

Mehrere Langzeitstudien haben ergeben, dass auch eine strenge Work-Life-Balance das Burnout-Risiko nicht so stark senkt wie bisher angenommen. Das liegt vor allem an dem verstärkten Druck, dem sich Betroffene während ihrer Arbeitszeit ausgesetzt fühlen. Viele Arbeitnehmer klagen über einen massiven Leistungsdruck, der durch eine strikte Zeiteinteilung entsteht. Obwohl in einigen Stunden sehr viele Aufgaben erledigt werden können, lässt diese Effektivität in den meisten Fällen schnell nach. Dadurch entsteht häufig das Gefühl, während der gesamten Arbeitszeit Höchstleistung erbringen zu müssen. Mit jedem unkonzentrierten Moment steigt das Stresslevel und die Gefahr eines Burnout-Syndroms.

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Der Trend des Work-Life-Blending führt jedoch dazu, dass Arbeitnehmer in unproduktiven Zeiten ihre Produktivität direkt wiederherstellen können. Auf diese Weise umgehen sie den permanenten Leistungsdruck und erholen sich bereits während ihrer Arbeitszeit. Werden bestimmte Aufgaben in der vorgesehenen Zeit nicht erledigt, haben sie jedoch die Möglichkeit, diese in ihrer Freizeit zu erfüllen. Bei der dafür aufgebrachten Zeit handelt es sich jedoch nicht um Überstunden, sondern um gewöhnliche Arbeitszeit.

Somit sorgt dieser Trend dafür, dass Arbeitnehmer sich häufiger entspannen und Stresssituationen vermeiden. Dadurch steigen nicht nur Motivation und Leistungsbereitschaft, sondern es senken sich auch nachhaltig der Adrenalinspiegel und das Stresslevel. Da mangelnde Leistung stets zu einem späteren Zeitpunkt ausgeglichen werden kann, fühlen sich Betroffene weniger unter Druck gesetzt und sind seltener erschöpft. Viele Experten messen diesem Trend daher eine deutlich bessere präventive Wirkung vor dem Burnout-Syndrom zu.

 

Immer mehr Ruheorte am Arbeitsplatz

Den positiven Einfluss des Work-Life-Blending auf die Gesundheit sowie die Leistungsfähigkeit der Angestellten haben auch zahlreiche große Unternehmen bemerkt. In vielen Konzernen wird bereits verstärkt Wert auf eine umfassende Burnout-Prävention mit diesen Methoden gelegt. Bei Google treffen sich die Mitarbeiter bereits vor der Arbeit zum gemeinsamen Frühstück und tauschen sich dabei über private Angelegenheiten aus. In einigen Unternehmen verbringen die Angestellten sogar das Wochenende zusammen und planen gemeinsame Ausflüge. Microsoft schaffte bereits 1998 die festen Arbeitszeiten vollständig ab und hat aktuell sogar die Anwesenheitspflicht seiner Mitarbeiter im Büro gekippt. Somit haben sämtliche Arbeitnehmer stets die Wahl, wann und wo sie für ihr Unternehmen arbeiten wollen.

Innerhalb kürzester Zeit gaben auch andere Großkonzerne wie SAP und die Deutsche Bank ihren Mitarbeitern mehr Freiheiten bei der Gestaltung der eigenen Arbeitszeit. Der amerikanische Streaming-Anbieter Netflix gewährt seinen Angestellten sogar unbegrenzten Urlaub ohne administrative Umwege. Die Gestaltung der Arbeitszeit erfolgt in diesem Unternehmen vollständig auf Vertrauensbasis.

Auch im deutschen Mittelstand ist das Work-Life-Blending in den vergangenen Jahren langsam angekommen. Immer mehr Arbeitgeber bieten ihren Angestellten direkt im eigenen Unternehmen vielfältige Ruheorte. Neben Fitness- und Leseräumen stellen sie ihren Führungskräften auch Videospiele und Schlafplätze zur Verfügung. Weltweit führend ist das New Yorker Designerstudio Stefan Sagmeister. Dieses gewährt seinen Mitarbeitern alle sieben Jahre eine ganzjährige bezahlte Auszeit.

 

Work-Life-Blending verändert die Arbeitswelt positiv

Aktuell konnte sich dieser Trend noch nicht flächendeckend in Deutschland durchsetzen. Viele Deutsche betrachten die Arbeit noch immer als notwendiges Übel und enorme Belastung. Für sie bietet nur die Freizeit einen positiven Ausgleich zum Stress des Alltags. Durch das Work-Life-Blending kann jedoch nicht nur nach der Arbeitszeit Kraft getankt werden, sondern bereits im Unternehmen selbst. Der Arbeitsort wird mit guten Freunden, erholsamen Aktivitäten und spannenden Herausforderungen verbunden. Dadurch steigen gleichermaßen die Arbeitsmotivation, die Effektivität und die Gesundheit der Angestellten.

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Aus diesem Grund löst sich die feste Trennlinie zwischen Arbeit und Privatleben jedes Jahr in mehr Unternehmen. Mit dieser Maßnahme sprechen viele Arbeitgeber insbesondere die anspruchsvolle Generation Y an. Mit diesem Begriff werden vorrangig Arbeitnehmer bezeichnet, die nach 1980 geboren wurden und sehr spezielle Anforderungen an einen Arbeitsplatz legen. Entscheidend ist dabei insbesondere eine Führungskultur, die nicht länger auf Kontrolle, sondern verstärkt auf Vertrauen setzt. Auf diese Weise sind deutlich mehr Arbeitnehmer bereit, ihre Energie sowie Kreativität für ein Unternehmen vollständig auszuschöpfen.

 

Quellen:

https://www.apoly.de/blog/gesundheitstrends-2017/

http://www.manager-magazin.de/lifestyle/artikel/arbeitswelt-work-life-blending-macht-unser-privatleben-kaputt-a-1081881.html

https://www.askdante.com/de/blog/arbeitswelt/work-life-blending/

http://www.wiwo.de/erfolg/coach/entspannung/generation-y-work-life-balance-oder-blending/19290882.html

https://digitaler-mittelstand.de/trends/news/studie-zu-arbeitswelt-4-0-work-life-blending-statt-balance-11595

http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/arbeiten-nach-feierabend-trennung-von-beruf-und-freizeit-faellt-vielen-schwer/12169976.html

https://www.eurofound.europa.eu/de/publications/executive-summary/2017/working-anytime-anywhere-the-effects-on-the-world-of-work-executive-summary

 

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