Fortschritt in der Medizin: Wissenschaftler heilen Typ-1-Diabetes ohne Nebenwirkungen

Heilung Typ 1 Diabetes

In Deutschland leiden rund sieben Millionen Menschen an einer der Formen von Diabetes mellitus. Diese häufig auch als Zuckerkrankheit bezeichnete Störung des Stoffwechsels geht mit stark erhöhten Blutzuckerwerten einher. Bleibt sie unbehandelt, kommt es zu massiven Schäden an Nieren, Augen und dem Herzen. Aktuell unterscheidet die Medizin zwischen Typ-1- und Typ-2-Diabetes. Obwohl beide Formen mit schweren Symptomen und einer dauerhaften medikamentösen Behandlung einhergehen, gestaltet sich die Therapie des ersten Typs deutlich schwieriger.

Betroffene hatten bisher wenig Hoffnung auf eine mögliche Heilung ihrer Erkrankung. Dieser häufig unterdrückte Wunschgedanke könnte jedoch schon bald zur Realität werden. Die beiden amerikanischen Wissenschaftler Bruno Doiron und Ralph DeFronzo bewältigten jene Herausforderung, an der bereits zahlreiche renommierte Forscher scheiterten. Ihnen ist es gelungen, ein Heilmittel gegen Typ-1-Diabetes zu finden und über ein Jahr ausführlich zu testen. Bei sämtlichen Versuchen kam es bislang zu keinen unerwünschten Nebenwirkungen. Nachfolgend erfährst Du, auf welchem Stand die Forschung aktuell ist und ob Diabetiker künftig auf die ständigen Injektionen verzichten können.

Bruno Doiron und Ralph DeFronzo

Bruno Doiron und Ralph DeFronzo, das Team was eine Heilung gegen Typ 1 Diabetes gefunden hat

 

Ursache für Typ-1-Diabetes bislang noch unklar

Während Typ-2-Diabetes häufig aufgrund einer erblichen Veranlagung, Bewegungsmangel oder Übergewicht entsteht, konnten Mediziner die Ursache des Typ-1 noch nicht herausfinden. Bisher steht nur fest, dass die erste Form dieser Krankheit im Gegensatz zur zweiten nicht schleichend, sondern plötzlich auftritt. Darüber hinaus machen sich die ersten Symptome in den meisten Fällen bereits während der Kindheit Betroffener bemerkbar. Besonders auffällig ist ebenfalls ein sehr starker Harndrang, der von vermehrtem Durst begleitet wird. Darüber hinaus zeigt sich eine dauerhafte Müdigkeit, eine schnelle Gewichtsabnahme ohne ersichtlichen Grund sowie ein gelegentlicher Azetongeruch in der Atemluft bei den Erkrankten. Dieser erinnert vor allem an fauliges Obst oder Nagellackentferner.

Grundsätzlich handelt es sich bei Typ-1-Diabetes um eine Autoimmunerkrankung. Bei Betroffenen richtet sich das körpereigene Immunsystem nicht nur gegen krankheitserregende Keime, sondern ebenfalls gegen die insulinproduzierenden Beta-Zellen in der Bauchspeicheldrüse. Deshalb verlieren Erkrankte innerhalb kürzester Zeit die Fähigkeit, selbst Insulin herzustellen. Bleibt auch eine externe Zufuhr aus, so kommt es nach kurzer Zeit zum Tod der Betroffenen.

 

Behandlung war bisher nur bedingt möglich

Die Medizin ist aktuell noch nicht in der Lage, Typ-1-Diabetes effektiv zu behandeln und die Gefahr für Erkrankte vollständig zu bannen. Die meisten Diabetiker müssen sich mit einer intensivierten Insulintherapie begnügen. Bei dieser sogenannten ICT injizieren sie sich ein- bis zweimal am Tag eine hohe Dosis des lebensnotwenigen Stoffs. Während der Mahlzeiten muss jeweils eine zusätzliche Injektion durchgeführt werden. Im direkten Vergleich mit einem starren Spritzschema wird somit wenigstens eine flexible Planung des Alltags ermöglicht.

Diabetes Insulin

Insulininjektionen sind für Diabetesbetroffene lebensnotwendig, doch gehören sie künftig der Vergangenheit an?

Entscheidend ist bei dieser Behandlungsform, dass Patienten ihren Blutzuckerspiegel regelmäßig überprüfen. Darüber hinaus muss der Kohlenhydratgehalt der Nahrung abgeschätzt werden, um die richtige Dosierung des Insulins zu bestimmen. Für die Betroffenen ist die Therapie deshalb mit einem hohen Aufwand verbunden und birgt stets die Gefahr einer Fehlkalkulation. Die erforderlichen Grundlagen zur Berechnung der benötigten Insulinmenge erhalten Erkrankte direkt nach ihrer Diagnose durch eine umfassende Schulung. Die Vermittlung des Wissens stellt insbesondere bei Kindern eine große Herausforderung dar. Aus diesem Grund sollten sich stets auch die Eltern die nötigen Kenntnisse aneignen, um sie aktiv bei der Behandlung zu unterstützen.

In wenigen Ausnahmefällen verfügen die Betroffenen über eine eigene Insulinpumpe. Dieses nah am Körper getragene Hilfsmittel gibt fortwährend Insulin in kleinen Dosen an den Körper ab. Während der Mahlzeiten wird der höhere Bedarf durch einen einfachen Knopfdruck gedeckt. Da die Krankenkassen jedoch nur selten bereit sind, die Kosten für dieses fortschrittliche Therapiegerät zu übernehmen, ist der Großteil aller Diabetiker auf ständige Injektionen angewiesen.

 

Horizontaler Gentransfer birgt Hoffnung auf Heilung

Schon bald könnten beide Behandlungsformen der Vergangenheit angehören. Amerikanischen Forschern ist es gelungen, Typ-1-Diabetes bei Mäusen vollständig zu heilen. Während des Beobachtungszeitraums von über einem Jahr kam es zu keinen unerwünschten Nebenwirkungen. Betroffene können deshalb auf die künftige Heilung ihrer Krankheit hoffen. Vorerst muss das Therapieverfahren jedoch noch an größeren Tieren getestet werden. Die Kosten für diese Studien schätzt das durchführende Forschungsinstitut UT Health San Antonio auf über fünf Millionen Dollar. Daher sucht es aktuell nach geeigneten Geschäftspartnern, die mit der Kommerzialisierung des Heilverfahrens beginnen.

Die Grundlage der neuen Behandlungsmethode bildet ein sogenannter Gentransfer. Bei dieser Technik wird ein Virus als Bote verwendet, um ein bestimmtes Gen-Areal direkt in die Bauchspeicheldrüse des Patienten zu geleiten. Dort integrieren die Viren das Genmaterial in die körpereigenen Zellen und erweitern dadurch deren Funktionalität. Die für diesen Zweck verwendeten Trägerviren sind völlig ungefährlich und werden in den USA bereits zur Behandlung von über 50 seltenen Kinderkrankheiten eingesetzt. Im Gegensatz zu natürlichen Beta-Zellen lebt die modifizierte Population in Harmonie mit dem Immunsystem und kann daher ungehindert Insulin produzieren.

 

Neue Therapie konnte bereits erste Erfolge erzielen

Der Einsatz spezieller Viren zur Behandlung von Krankheiten ist längst keine Weltneuheit mehr. Dennoch bildet dieses Verfahren die entscheidende Grundlage für die Heilung von Typ-1-Diabetes. Laut Dr. Doiron vom UT Health San Antonio verliefen bisher sämtliche Testreihen in jeder Hinsicht perfekt. Die behandelten Mäuse konnten ohne jegliche Folgen von ihrer Erkrankung geheilt werden. Künftig wird der Gentransfer deshalb an Schweinen und Rindern durchgeführt, um dessen Auswirkungen auf den menschlichen Körper abzuschätzen.

Der enorme Erfolg dieser Therapieform beruht auf einem denkbar simplen Gedanken. In der Bauchspeicheldrüse befinden sich neben den insulinproduzierenden Beta-Zellen viele weitere Zellarten, die auch bei Typ-1-Diabetes nicht vom Immunsystem angegriffen werden. Jenen Zellen wird die Fähigkeit gegeben, selbst Insulin herzustellen. Um die Symptome der Krankheit vollständig zu beheben genügt es, 20 Prozent der Gesamtkapazität an Beta-Zellen durch die Modifikation aufzufüllen. Auf diese Weise wird die körpereigene Regulierung des Blutzuckerspiegels wieder ermöglicht.

glukose blut test

Mit einem Glukosebluttest misst man schnell den Blutzuckerspiegel um sicher zu stellen unter keiner gefährlichen Unterzuckerung zu leiden

Bisher stellte insbesondere die Vermeidung einer Hypoglykämie die größte Herausforderung während der Behandlung von Typ-1-Diabetes dar. Bei dieser Störung handelt es sich um eine gefährliche Unterzuckerung, die ab einem Blutzuckerspiegel von unter 50 mg/dl auftritt. Während eine Hypoglykämie bei gesunden Menschen nur während einer drastischen Abweichung vom normalen Essensplan oder einer hohen sportlichen Belastung auftritt, stellt sie sich bei Diabetikern vor allem durch eine zu hohe Dosierung des Insulins ein. Die veränderten Körperzellen beginnen jedoch erst dann mit der Insulinproduktion, wenn sie einen erhöhten Blutzuckerspiegel bemerken. Dadurch werden Nebenwirkungen nach der Behandlung effektiv vermieden. Wenn sämtliche kommenden Tests ohne Komplikationen verlaufen, können Betroffene bereits in fünf bis zehn Jahren mit dem Sieg über Diabetes rechnen.

 

Quellen:

https://www.diabetes-ratgeber.net/Diabetes-Typ-1

http://www.scinexx.de/wissen-aktuell-18221-2014-11-10.html

http://flexikon.doccheck.com/de/Horizontaler_Gentransfer

https://www.apotheken-umschau.de/Diabetes

https://news.uthscsa.edu/ut-health-diabetes-breakthrough/

http://www.accu-chek.de/services/de/diagnose_diabetes/komplikationen/hypoglykaemie_unterzuckerung.html

http://tpr.org/post/no-insulin-shots-diabetes-cure-under-study-san-antonio

https://news.uthscsa.edu/diabetes-breakthrough-increases-insulin-producing-cells

 

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